| Das Schloss zu Ellingshausen |
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Ellingshausen, 9,8 km ostsüdöstlich von Meiningen gelegenes Kirchdorf mit 273 Einwohnern, an der Ausmündung des Haselthales; ehedem zu den adligen Lehndörfern des hennebergischen Amtes Massfeld gehörig. ![]() Schloss des Grafen v. Bose zu Ellingshausen Der Hauptbau ist eine künstlerisch reizvolle Schöpfung aus dem Jahre 1604. Er lehnt sich an einen wesentlich älteren rechteckigen Thurm, welcher wohl der Rest einer Kemenate des Mittelalters ist. Die Aussenmauern dieses Thurmes sind kunstlos, in der Art eines Bergfrits des späten Mittelalters. Das Dach ist ein schlichtes Satteldach. Im Innern des Thurmes befindet sich ein Raum, welcher mit zwei Kreuzgewölben überdeckt ist. Hier soll sich ehemals die Kirche befunden haben. Demnach ist diese eine Burgkapelle gewesen. An der Rückwand befand sich ein Steinrelief mit der Darstellung des segnenden Gott Vater als Halbfigur. Dieses Relief mit der Jahreszahl 1603 befindet sich jetzt in Meiningen an der Aussenfront des Henneberger Hauses in der Georgstrasse. Die Mauern des Thurmes sind an der Stelle der Kapelle 0,80 m dick. Der Fussboden der Kapelle liegt 14 Stufen über dem Garten. ![]() An den übrigen Theilen der schlichten Schlossmauern sind die Umrahmungen der Fenster durch wiederholte Umbauten vielfach verändert. Der einheitliche künstlerische Eindruck ist dadurch zerstört. Im Innern des Schlosses sind bemerkenswerth eine kleine Anzahl von Gemälden alter Meister im Besitz des Grafen Bose. Darunter ist hervorzuheben das grosse figurenreiche Bild aus der Werkstatt Lucas Cranachs des Aelteren: "Die Messe des Heiligen Gregor". Das Gemälde stellt die Erscheinung dar, welche der Papst Gregor der Grosse vor dem Jerusalemsaltar der Kirche Santa Croce in Gerusalemme zu Rom hatte. Der Papst kniet mit zwei Geistlichen vor dem Altar. Auf diesem steht ein Sarkophag, das heilige Grab, aus welchem Christus aufgestanden ist, um dem Papste und seiner Umgebung die von neuem fliessenden Wundermale zu zeigen. Ueber dem Altar erscheinen in den Wolken die Sinnbilder des Leidens Christi: die drei Nägel vom Kreuze, Hammer, Zange, Lanze, das Haupt des Judas, an dessen Hals der Beutel mit den dreissig Silberlingen hängt, Pilatus mit Turban, die Hände waschend, daneben der Kopf seiner Frau und ein anderer Kopf, welcher trotz der Bischofsmütze wohl auf Herodes gedeutet werden muss. In diesem Gewölk schweben auch sieben Engel, unbekleidete Kinderfiguren mit den naturalistisch gezeichneten Zügen der Cranach-Schule. Hinter dem Papst stehen sechs Männer, wohl sämmtlich Porträts, unter diesen ein Bischof, welcher die dreifache Krone des Papstes in den Händen hält. Dieser letztere ist wohl der Besteller des Bildes. Denn in ganz ähnlicher Weise ist auch auf einem Bilde der Werkstatt Cranachs in der Gemäldegalerie zu Aschaffenburg der Kardinal Albrecht von Brandenburg dargestellt, wie er die Krone des Papstes Gregor in den Händen hält. In Cranachs Werkstatt ist die Messe des Heiligen Gregor in der Zeit um 1520-1525 verschiedentlich gemalt. Zwei Gemälde befinden sich in Aschaffenburg*). In jedem der Bilder ist die Composition verändert. Die beiden Aschaffenburger Bilder wurden bis zur Dresdener Cranach-Ausstellung dem "Pseudogrünewald" zugeschrieben. Seitdem sind sie als Werke eines unbekannten Malers in der Werkstatt Cranachs erkannt. Friedländer nennt das Aschaffenburger Gemälde mit dem stehenden Kardinal Albrecht von Brandenburg eine "mittelmässige Arbeit im Cranach-Stil, um 1525 entstanden, maniriert und gefühllos, kalt in der Färbung, von derselben Hand ausgeführt, wie mehrere andere Bilder dieser Gruppe, z. B. die Beweinung Christi in der Augsburger Galerie". Dasselbe gilt von dem Gemälde im Schloss zu Ellingshausen. Für die Erforschung der Herkunft des Gemäldes sind von Wichtigkeit die beiden Wappen am unteren Rande des Bildes. Auf dem einen Wappen ist ein Bauer mit dem Dreschflegel, auf dem anderen ein weisser Vogel mit hochstehenden Flügeln (Taube?) dargestellt. An den alten Häusern des Dorfes sind einige Bautheile bemerkenswerth:
![]() Steinkreuz unter der Dorflinde; Hausthür aus dem Jahre 1604 *) Siehe Max J. Friedländer, Die Tafelmalerei des 15. und 16. Jahrhunderts, in: Döring und Voss, Meisterwerke der Kunst aus Sachsen und Thüringen, S. 14, Lichtdrucktafel 16. — Katalog der kunsthistorischen Ausstellung in Erfurt 1903, Nr. 9a. Das andere Bild befand sich 1899 auf der Cranach-Ausstellung in Dresden. Siehe den Katalog von Karl Woermann, Nr. 131. Quelle:
Georg Voss: "Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens", Band: "Herzogthum Sachsen-Meiningen / Kreis Meiningen", S. 338f, S. 342ff, Jena, 1909 |
| Zuletzt aktualisiert am Freitag, 17. April 2009 um 16:55 Uhr |
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